FAMILIE KURT ROBERT DROBNIK
FAMILIE KURT ROBERT DROBNIK

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Predigt

Predigttext: Matthäus 27, 33-50
Karfreitag 1995 Damp

Liebe Gemeinde!

Den schlimmsten Feiertag fand ich als Kind den Karfreitag,

denn an dem Tag war sicher, daß es Fisch gab und im

Fernsehen nichts Anständiges lief. Abgesehen von den

Jesusfilmen, die die Kreuzigung Jesu real darzustellen

versuchten, berührte mich lange Zeit die Thematik dieses

Tages nicht. Aus Bequemlichkeit und aus der Erkenntnis

heraus, daß gesehenes Wort besser haften bleibt als

gesprochenes, habe ich im Konfirmandenunterricht den

Zefirelli-Film „Jesus von Nazareth“ in zeitlich ertragbaren

Portionen gezeigt und jedesmal, wenn die realistisch

dargestellte Kreuzigungsszene kam, bekamen nicht nur

die Mädchen feuchte Augen. Im Laufe der Jahre, auch

durch meine berufliche Beschäftigung bedingt, habe ich

inzwischen eine andere Stellung zu diesem Tag bekommen.

Heute regen mich die Werbeblöcke, die bei den Privaten

auch bei den Jesusfilmen dazwischen geschaltet werden,

auf, weil sie mir vor Augen führen, daß wir Menschen

selbst aus einem schweren Leid noch Geschäfte machen

und im Reality-TV die Not anderer für Werbung

ausschlachten. Heute denke ich an den unsagbaren

Schmerz, den nicht nur Jesus beim Annageln empfunden

haben mußte, sondern all derer, die ihn lieb hatten und

haben. Ich denke da an seine Mutter und stelle mir vor,

daß sie zu Ihm ans Kreuz ruft:

„Sohn, war das nun notwendig gewesen, daß Du die

Dir angebotenen Rückzugsmöglichkeiten, die Dir vom

Hohenpriester und Pilatus angeboten wurden,

ausgeschlagen hast. Warum hast Du es überhaupt

so weit kommen lassen, habe ich Dir denn nie

geraten, Dich in Deiner Kritik an den Priestern und

den sogenannten Frommen zurückzuhalten?

Erinnerst Du Dich noch, wie ich Dir aus der Patsche

helfen wollte, weil Du mit Deiner Behauptung, daß

Du Gottes Sohn seist, zu weit aus dem Fenster

gehangen hast und sagte: ‘Bringt ihn weg, er ist

nicht ganz recht im Kopf?’ Warum hast Du damals

nicht erkannt, daß Du mit Deiner Sturheit in Dein

Unglück rennst? Meinst Du kleiner Mensch könntest

gegen die Mächtigen dieser Welt anstinken. Die

haben zu jeder Zeit Machtmittel genug gehabt, die

Aufmüpfigen klein zu kriegen. Jetzt hängst Du am

Kreuz und ich, Deine Mutter, muß Deiner Hinrichtung

ohnmächtig zusehen. Mir schnürt sich das Herz im

Leibe zusammen. Ich wollte doch vor Dir sterben.

Ich hätte doch mein Leben hergegeben, wenn ich

Deines hätte retten können. Sieh ich doch an, hör

Dich doch an, Du bist in Deinem Schmerz doch auch

verzweifelt? Warum rufst Du sonst Gott an: ‘Mein

Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?`“

Ja, liebe Gemeinde, nachdem ich in meinem Beruf erlebt

habe, wie besonders Mütter unter dem Tod ihrer Kinder

leiden, kann ich mir vorstellen, daß Maria diese Fragen an

Jesus gerichtet haben könnte. Und welche Antwort hat er

für sie parat? Ich denke, er hätte ihr folgendes antworten

können:

„Hör mal Mutter, ich weiß, daß ich Dir mit meinem

konsequenten Handeln und Reden dieses Leid

zugefügt habe, aber sieh mich doch an, meinst Du

es war mein Ziel, hier am Kreuz zu endigen? Ich

wollte doch eigentlich nur dem treu bleiben, von

dem Du mir als Kind erzählt hast, zu dem wir immer

wieder gebetet haben, von dem ich in der Schule

hörte und aus dessen Buch ich Lesen und Schreiben

gelernt hatte, Gott , meinem, ja unser aller Vater im

Himmel. Und am Anfang dachte ich, nachdem sein

Geist mich dazu brachte, seinen wahren Willen zu

erkennen, daß die, die mir zuhörten, schon merkten,

daß sie einem falschen Gottesbild aufgesessen

waren und sich über das neue freuten, weil es die

Ablösung vom drohenden und unbarmherzigen Gott

zu einem lieben und gnädigen Gott bedeutete!

Zugegeben, ich habe mich geirrt. Ja, auch die, die

mit mir lange Zeit zusammenlebten, haben gestern

Abend lieber geschlafen, als mit mir zu Gott zu

beten und der, den ich als Anführer bestimmt hatte,

der hat mich heute nacht dreimal verraten, weil ihm

sein Leben lieber war, als die Wahrheit. Hätte ich

auch lügen sollen, Mutter, nur damit Dir Dein Leid

erspart geblieben wäre? Meinst Du, Mutter, irgend

jemand hätte von mir in Zukunft geredet. Du weißt

doch, wie all die Menschen auf andere wirken, die

vollmundig etwas versprechen und dann, wenn es

darauf ankommt, einen Rückzieher machen und den

Schwanz einziehen. Mutter, die Menschen würden

doch gar nicht mehr von Gott reden, außer wenn sie

jemand für etwas Unerklärliches brauchen, den sie

irgendwo ansiedeln können, wo man es als

Sterblicher nicht überprüfen kann. Mutter, es tut mir

leid für Dich. Ich will aber tapfer sein, trotz meiner

Angst und Schmerzen. Ich will dem treu bleiben,

was ich glaube: Ich glaube nämlich, daß mich Gott

liebt, wie alle seine Geschöpfe. Ja, ich glaube, daß

diese Liebe mich sogar durch das Dunkel des Todes

errettet. Mutter, ich schrie nur „mein Gott, mein

Gott, warum hast Du mich verlassen?“, weil ich

diesen Psalm kenne und er von einem frommen

Mann gesungen wurde, der trotz allen Leids an

seinen persönlichen Gott glaubte. Ich fühle mich

einsam, weil ich alleine diesen unsagbaren Schmerz

erleiden muß und dabei an all das Leid denken muß,

daß Menschen Menschen zufügen, oft Unschuldigen,

so wie ich unschuldig bin. Und, Mutter, glaub denen

nicht, die sagen, daß Gott das so wollte, wie es

gekommen ist. Er wußte zwar, daß es so kommen

mußte. Vielleicht hatte er die Hoffnung mit den

Menschen nicht ganz aufgegeben und gedacht, sie

kämen von selbst darauf, daß alles, was sie an

Gewalt an anderen Menschen ausüben, von ihm

nicht gewollt ist. Mutter versteh, daß ich Gott im

Himmel mehr gehorchte, als Dir. Denn, wenn es nach

Dir gegangen wäre, wäre ich nicht aufgefallen. Ich

hätte angepaßt in der Gesellschaft gelebt und wäre

wie das Wasser, das Licht und der Strom, den die

Menschen noch erfinden werden, den Weg des

geringsten Widerstandes gegangen. Aber hätte ich

da meinem Vater im Himmel einen Gefallen getan?

Denkst Du nicht, daß all diejenigen, die ihrer Mensch

lichkeit wegen von den Unmenschlichen getötet

werden, daß die im Unrecht sind, weil ihre Mütter

über sie weinen werden? Mutter, Menschen werden

in der Zukunft noch viele andere Menschen auch in

Gaskammern umbringen, wie in der Vergangenheit

Menschen grausam getötet wurden. Welche

Hoffnung haben die, wenn da keiner ist, der mit

seinem konsequenten Handeln auch durchs Kreuz

hindurch zeigt, daß er an einen lieben Gott glaubt,

der ihn von den Toten erlöst? Was sollen die in 2000

Jahren denen sagen, die den Holocaust überlebten,

was mit ihren Angehörigen nach dem Tode

geschehen ist? Mutter, ich will auch denen Hoffnung

sein, die durch Krankheit geschlagen aus der

Gesellschaft ausgegliedert werden, wie unsere

Aussätzigen. Mutter, ich muß doch den Menschen

sagen, daß Gott keine Selektion von erbstarken

Menschen will und keine Euthanasie der

sogenannten Lebensunwürdigen. Mutter, einer muß

doch gegen den Schwachsinn der Menschen

anschreien!“

„Jesus, mußtest das gerade Du sein?“

„Mutter, denk doch einmal nach, was Du gerade

gesagt hast. Du weiß doch, wie alle Vernünftigen

in unserem Volk unter dem Diktat der

Religionsdiktatoren leiden. Die Fanatiker dieser

Welt sind doch die Ursache allen Übels. Wenn alle so

wie Du dächten, und leider tun das viel zu viele, die

Machtgeilen behielten die Oberhand. Sie würden

Euch weiterhin mit Androhung von Strafe für Eure

Sünden klein halten, denn sie wissen ja durch sich

selbst, daß es einen Menschen ohne Sünde nicht

geben kann. Sie würden Euch weiterhin mit der

Hölle und der Verdammnis drohen und damit Euch

weiterhin versklaven. Ich weiß, daß mein Vater im 

Himmel die Menschen befreit. Ja, er hat mich so

befreit, daß ich zwar, nach meinem Körper gehend,

vor den Schmerzen am liebsten geflohen wäre,

deshalb hatte ich ja gestern Abend zu Gott gebetet,

daß wenn es möglich wäre, dieser Kelch an mir

vorübergehen sollte, in meinem Geist aber, dem von

Gott begeisterten Geist, weiß ich, daß mich diese

Schmerzen von der Liebe Gottes nicht trennen

können. Ich muß durch das Dunkel des Todes nicht

allein gehen. Ich weiß, daß immer einer mit mir

geht, daß ist unser aller Gott im Himmel. Deshalb,

liebe Mutter, sei mir nicht böse. Habe den Mut nach

meinem Tod auch weiter mit mir zu reden. Erzähle,

daß Du einen Sohn geboren hast, der Gott bis in den

Tod treu geblieben ist, der seine Mitmenschlichkeit

und Redlichkeit nicht wegen eines kleinen weltlichen

Vorteils verraten hat. Vielleicht erzählen zu allen

Zeiten die Menschen von mir und vielleicht

verstehen die, die meinen Todestag feiern, warum

es im wahrsten Sinne des Wortes notwendig war,

daß ich am Kreuz sterben mußte. Ich will nämlich

mit der frohen Botschaft des lieben gnädigen Gottes,

Not wenden. Ich will allen Menschen sagen, daß

Liebe Vergebung bedeutet. Ich möchte den

Menschen sagen, daß sie so, wie sie mit ihrer

Gesundheit und Krankheit umgehen, den ehren oder

schmähen, der sie geschaffen hat. Mutter, ich gehe

doch nur einen Weg voraus, den alle die mitgehen

können, die das „Ja“ zu Gott wagen und die Welt

dadurch zum Guten verändern, indem sie das tun,

was Gott will. Denk doch nur an den barmherzigen

Samariter.“


„Und Du meinst, Jesus, daß dazu der Gang ans Kreuz

nötig war? Du glaubst wirklich, daß sie in 2000

Jahren noch von Dir reden?“

Sicher, Mutter, ich glaube daran, daß die Macht der

Liebe von Ewigkeit zu Ewigkeit stärker sein wird,

als der Egoismus all derer, die mich, weil ich sie mit

der Wahrheit Gottes ärgerte, ans Kreuz geschlagen

haben oder würden, wenn sie mich noch einmal in

ihre Finger bekämen. Übrigens, Mutter, dadurch, daß

Du mit mir geredet hast, ist mir alles viel deutlicher

geworden. Ich freue mich auf Gott und wünsch Dir

und allen, die nach Dir auf dieser Erde leben werden,

daß sie sich von dieser Freude anstecken lassen.

Dann brauchen sie keine Angst haben, auch dann

nicht, wenn sie ihres Glaubens wegen verfolgt und

hingerichtet werden, wie ich.“

„Jesus, ich bin auch ruhiger geworden. Ich spüre

etwas in mir von dem, was Du glaubst. Jesus ich

bewundere Dich, meinen Sohn. Ich denke, ich bin

jetzt stärker. Ich will keine schwache Frau mehr

sein, denn, Jesus, ich spüre, daß die Macht der Liebe

stärker ist, als alle dummen Waffen der herzlosen

Machtgierigen! Behüt Dich Gott!“
Amen
 
 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe

Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei

mit uns allen. Amen

Predigttext: Lied: Jesu meine Freude
Drittl.Stg.i.KJ 1991 Nicolai-Orgelgottesdienst

Liebe Gemeinde!

Bevor ich es offiziell wußte, daß ich heute den Gottesdienst

halten darf, rief mich Herr Wesnik an und bat mich darum,

im Rahmen der Schleswig-Holsteinischen Kulturtage, kirchenmusikalische Werke an der Orgel während dieses Gottesdienstes ausführen zu dürfen. Ich stimmte sofort zu,

erstens, weil ich begeisterter Zuhörer bin und zweitens,

weil in der sakralen Musik der verdichtete Glauben der

Komponisten zum Ausdruck kommt, die mit ihrer Kunst ihr

en Gott loben und ehren wollten. Ich weiß es aber aus

Kommentaren von anderen, daß viele

Gottesdienstbesucher entweder von ihr genervt werden

oder beim Hören nur ihr Bedürfnis nach einem

Kunstgenuß befriedigen wollen. Kein Wunder, daß deshalb

nach Aufführungen von Passionsmusiken, die ja das

Leiden unseres Herrn Jesus Christus zum Inhalt haben,

brausender Beifall und Bravorufe durch manche Kirchen

schallen. Ich habe nichts dagegen, wenn damit die

Kunstfertigkeit und Profession der Aufführenden

ausgezeichnet werden soll, ich befürchte aber, daß dabei

das Verstehen des Inhalts und der Grund, warum solche

Musik geschrieben wurde, für viele verloren geht. So

haben wir heute z.B. das Lied Jesu meine Freude

gesungen und bestimmt den Variationen an der Orgel gut

zugehört und bewundert, mit welcher Fingerfertigkeit und

Können die beiden Organisten aus vielen Pfeifen solch

herrliche Musik herauslocken können. Erinnern Sie sich

aber an den Text und wenn, verstehen sie, was der

aussagen will? Der Umgang mit unserer

Kirchenmusiktradition unterscheidet sich bei vielen kaum

von der der damaligen SED, die z.B. die Berühmtheit des

Leipziger Thomanerchores, als ein Beispiel der

Überlegenheit des Sozialismus über Kapitalismus rühmte

und deshalb das tradierte Kulturgut förderte, den Inhalt

aber relativierte. Aber Schluß damit. Ich will mir jetzt mit

diesen Erörterungen nicht den Weg für die Schönheit der

Musik zu Gottes Ehren versperren, sondern mich lieber an

einen Vers, den ich in einem Knabenchor in Stuttgart

lernte, erinnern, der so lautet: Wer nicht durch die Musik

beweget kann werden, ist einfach nicht würdig zu leben

auf Erden, wen aber die Musik so richtig beglückt, der hat

schon ein wenig in Himmel geblickt. Und ich denke keiner

unter Ihnen erinnert sich nicht an eine Situation in seinem

Leben, wo ihn ein besonderes Lied oder Musikstück, egal

ob Pop oder Ernst, den Moment des Empfindens gesteigert,

ja unvergeßbar gemacht hat. Unvergeßlich in diesem

Zusammenhang bleibt für mich die Beerdigung eines

vierjährigen Jungen, der abends im Schlafanzug noch

einmal auf sein Fahrrad stieg und von einem Freund auf

der anderen Seite der Straße gerufen, beim Überqueren

der Straße überfahren wurde. Die Orgel, verstärkte, als sie

zum Eingangschoral der Trauerfeier anstimmte, so die

beklemmende Situation, daß es für mich vor dem kleinen

Sarg kaum ertragbar war. Trotz aller Anstrengungen

unserer Organistin, versagte die Orgel ihren Dienst und

ich konnte die Ruhe in meiner Stimme nicht gewinnen,

die ich sonst immer durch das Orgelvorspiel gewann, weil

die Musik mich trotz allem Traurigsein an Gott und den

Inhalt seiner frohen Botschaft erinnerte. Der Grund war,

daß alle Pfeifen verstimmt waren, weil ein Fenster an der

Orgel über die Nacht versehentlich geöffnet blieb und die

feuchtkalte Luft die Holzpfeifen verzog. Die Ruhe hätte ich

gerade dort benötigt, um der Familie wieder Hoffnung zu

geben. Ich habe es nicht geschafft, im Laufe der nächsten

3 Jahre brach alles, was die Familie zusammenhielt,

auseinander, weil sie an der Trauer zerbrach und ich

denke es lag auch an der peinlichen Situation der

fehlenden Stimmung bei der Trauerfeier, die auch durch

die Anwesenheit zweier Kripobeamten, die den Onkel

gefesselt zwischen sich eingeklemmt hatten, verstärkt

wurde. Ich selbst war nur auf meine Worte und das

Singen war kläglich, weil der stützende Klang der Orgel

fehlte, der in der trostlosen Hoffnungslosigkeit immer noch

eine Stimmung erzeugt, die man gar nicht hoch genug zur

Beruhigung der Angehörigen einschätzen kann. Sie fragen

sich, warum ich Ihnen das erzähle? Weil die Trostlosigkeit

der damaligen Stimmung im totalen Kontrast steht, zu

dem Lied, das wir vor der Predigt gesungen haben und

über das ich heute predigen will. Jesus meine Freude,

meines Herzens Weide, Jesu meine Zier! Wenn man keine

Probleme hat und es einem gut geht, kommen einem

solche Worte doch leicht über die Lippen, werden Sie

vielleicht denken! Irrtum, das schreibt ein Mensch, der

den 30-jährigen Krieg erlebt hatte, der damals

Deutschland, ja das ganze Europa überzog, den

30-jährigen Krieg. Es ging wieder einmal um eine

gerechte Sache, um den rechten Glauben. Und für diese

gerechte Sache Gottes zogen brandschatzende Horden

von Landsknechten durch Deutschland und scherten sich

bei ihrem Geschäft um alles andere als um

Menschenrechte oder um den Inhalt der Sache für die sie

kämpften. Frauen und Kinder waren Freiwild, die Pest als

Folge der Schrecken des Krieges war mit ihrem

grausamen Erfolg durch fast jede Familie gejagt, da singt

einer Jesus meine Freude? Ja, weil er wie damals der

geplagte Hiob wußte, wenn mir jemand in meiner Not hilft,

dann gewiß nicht die Menschen, die aus irgendwelchen

Ismen und Rechthabereien auch heute noch ihr

mörderisches Kriegshandwerk ausüben, sondern jener,

der, weil er im Namen Gottes dessen Liebe verkündete,

ans Kreuz genagelt wurde. Er wurde gekreuzigt aus

Religionsräson, wo käme man denn hin, wenn einer ohne

die Absegnung der Religionsfunktionäre die Liebe Gottes

predigte und die Leute damit ihren Unterdrückern

abspenstig machte. Unser Liedschreiber glaubt dem, der

dort hängt und der auferstanden ist zum Zeichen, daß

letztendlich doch die Liebe Gottes über alles siegt auch

über den Tod und deshalb setzt er fort: ach wie lang ach

lange ist dem Herzen bange und verlangt nach Dir: Gottes

Lamm mein Bräutigam, außer Dir soll mir auf Erden nicht

sonst liebers werden. Hier verwendet er ein altes Motiv der

Bibel, die den Glauben zu Gott mit dem Bild der Braut und

dem Bräutigam vergleicht. Übrigens auf die Aussage: Ich

brauche nicht in den Gottesdienst zu gehen um ein guter

Christ zu sein, antworte ich mit diesem Bild und frage:

Können sie sich ein glückliches Brautpaar vorstellen, das

sich höchstens viermal im Leben trifft? Ist es nicht das

Bedürfnis nach gemeinsamer Geborgenheit in der Liebe,

daß man sich so häufig wie nur möglich sieht und wenn

man verhindert ist, immer aneinander denkt und Briefe

schreibt oder an ruft. Unser Lieddichter spürt im Glauben

diese Geborgenheit und schreibt: Unter deinen Schirmen

bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei, laß den Satan

wettern, laß die Welt erzittern mir steht Jesus bei. Ob es

jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle

schrecken, Jesus will mich decken. Ja, Jesus rettet und

beschützt ihn, er macht ihn unsterblich mit der Arznei der

Unsterblichkeit uns vermittelt im Abendmahl, durch das er

jeden so stärkt, daß ihn keine Kraft von der Geborgenheit

in seiner Liebe trennen könnte und das hat zur Folge daß

er weitersingen kann: Trotz dem alten Drachen, trotz dem

Todesrachen, trotz der Furcht da zu: Tobe Welt und

springe, ich steh hier und singe in gar sicherer Ruh, Gottes

Macht hält mich in acht, Erd und Abgrund muß

verstummen, ob sie noch so brummen. Keine böse

Schwiegermutter oder kein böser Schwiegervater, keine

andere Macht kann jemals Liebende auseinanderbringen

und in der Liebe wird man mutig, trotz aller Schläge, die

im Leben auf einen Menschen zukommen können. Nein,

der Glaube an die Liebe Gottes ist wie eine dicke

Fettschicht, an der alles Wasser abperlt. Und was wollen

wir denn mehr als diese über den Tod lebendig bleibende

Liebe an den Särgen verkündigen? Leider wird sie oft

überhört. Jesu Liebe ist aber die Höchste, denn sie

verspricht mir, daß ich, weil ich von Gott geliebt bin,

auferstehen werde in seine ewig dauernde Liebe: Dies ist

dem Dichter so kostbar, daß er fortsetzt: Weg mit allen

Schätzen, du bist mein Ergötzen, Jesu meine Lust. Weg ihr

eitlen Ehren ich mag Euch nicht hören, bleibt mir

unbewußt. Elend, Not Kreuz Schmach und Tod, soll mich,

ob ich viel muß leiden, nicht von Jesus scheiden.

Beeindruckt erinnere ich immer noch an die letzten Worte

eines Sterbenden: Jesus ich komme. Diesen Glauben

möchte ich auch haben und durch mein Predigen einer

Welt verkündigen, in der sich Menschen bemühen,

nutzlose und unsinnige Dinge so lange wie möglich zu

machen, damit sie ihren Namen gedruckt im Guinnesbuch

der Rekorde wiederfinden, dabei aber vergessen, sich

einen Namen im Himmel zumachen und deshalb

applaudieren, als Jesus in Hoyerswerda bedroht war durch

Skinhads und ihr Essen nicht teilten als er in Afrika und

nicht nur dort verhungerte. Ich möchte unser, ja, mein

egoistisches, triebhaftes Sein so weit wegschieben können

wie der Sänger, der im 5. Vers schrieb: Gute Nacht o

Wesen, das die Welt erlesen, mir gefällst Du nicht: Gute

Nacht ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht

mehr ans Licht: Gute Nacht du Stolz und Pracht, dir sei

ganz, Du Laster leben, gute Nacht gegeben. Er weiß, das

letzte Hemd hat keine Taschen ! Deshalb Du Tor, was

hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne

und nehme doch schaden an seiner Seele? Die Angst vor

dem Tod ist es doch, die uns alles machen läßt, ihm so

weit wie möglich wegzuschieben, so weit, daß wenn es

stimmt, arme Kinder in Südamerika geschlachtet werden,

damit ihre Organe als Ersatzteile für die Reichen im

Norden verwandt werden können. Es wurde traurig, wenn

er damals seine Umwelt betrachtete und es ist traurig,

wenden wir heute unser Umwelt betrachten, man könnte

verzweifeln, wenn diese Welt die einzige Welt ist, die uns

Leben bietet: Er will daran nicht denken, daß er allein auf

diese Welt an gewiesen sein könnte und weil er bewußt

betete: Dein Reich komme, konnte er das Lied abschließen

mit den Worten: Weicht Ihr Trauergeister, denn mein

Freudenmeister; Jesus tritt herein. denen die Gott lieben,

muß auch ihr Betrüben lauter Freude sein. Duld ich schon

hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide:

Jesu meine Freude! Wohl, weil er der einzige ist, der uns

aus den Wirren unserer schuldhaften Verstrickung in die

Probleme dieser Welt lösen kann. Liebe Gemeinde, dieses

Lied hat die Aussage des ganzen Evangelium in sich und

ist für mich viel zu wertvoll, als daß man es in der

Meinung, man könne nur mit zeitgemäßeren Liedern die

Menschen in die Kirchen locken, dem neuen Zeitgeist

opferte. Es ist ein Lied, dessen Inhalt ich damals beim 

dem 4-jährigen Maik den Eltern als Brücke zu einem Leben

mit Maik im Himmel vermitteln wollte. Ich habe es nicht

geschafft, meine Worte waren so, wie die Musik der

verstimmten Orgel. Ich wünschte mir, wir würden uns

dessen bewußt, was einen Menschen, der nur grausame

Welt um sich herum erfuhr, so stark macht: den Glauben

an die Liebe Gottes, dieser Glaube allein läßt mich dieses

Lied singen, nicht nur weil es angesagt ist, sondern weil es

für mich zur Wahrheit wurde. Die Wahrheit, daß wir ohne

Gott nur unbedeutende Nichtse bleiben, mit Gott aber zum

Partner dessen werden, der Himmel und Erde gemacht hat.

Amen

 

 
 
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© KurtRobert Drobnik